Kannst Du mich bitte einfach nur lieb haben
Manchmal berührt ein Satz sofort etwas in uns.
„Kannst du mich bitte einfach nur lieb haben. Ich halt auch ganz still.“
Wenn Sie das lesen und es trifft Sie, dann geht es oft nicht um „Drama“, sondern um ein sehr altes Bedürfnis: gesehen werden. Dasein dürfen. Nähe spüren, ohne etwas leisten zu müssen.
Wenn Nähe an Bedingungen geknüpft war
Viele Menschen haben früh gelernt, sich anzupassen. Manche waren sehr ruhig. Manche waren sehr brav. Manche haben versucht, niemandem zur Last zu fallen. Nicht, weil sie so „sind“, sondern weil es damals der sicherste Weg war.
„Ich halt auch ganz still“ kann genau davon erzählen: von der Erfahrung, dass Nähe eher dann möglich ist, wenn man sich zurücknimmt. Wenn man wenig braucht. Wenn man keine Umstände macht.
Das ist keine Charakterschwäche. Es ist oft eine Form von Schutz.
Wie sich das heute zeigen kann
Vielleicht kennen Sie das im Erwachsenenleben, ohne es so zu benennen. Zum Beispiel:
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- Sie sagen schneller „ja“, obwohl Sie „nein“ meinen.
- Sie spüren Schuldgefühle, wenn Sie Grenzen setzen.
- Sie halten viel aus und merken erst spät, wie erschöpft Sie sind.
- Sie funktionieren im Alltag, aber innerlich fühlt es sich leer an.
- Sie grübeln viel, kommen schwer zur Ruhe und schlafen schlechter.
- Sie erleben innere Unruhe oder Anspannung, ohne dass es einen „guten Grund“ gibt.
Manche Menschen beschreiben auch: Sobald Nähe entsteht, wird es innerlich eng. Dann kommen Zweifel, Rückzug oder das Gefühl, die Kontrolle behalten zu müssen. Andere erleben eher das Gegenteil: Sie suchen sehr nach Nähe, brauchen viel Bestätigung und fühlen sich schnell verlassen.
Beides kann aus demselben Wunsch entstehen: sicher sein in Beziehung.
Wenn Angst und depressive Gefühle dazukommen
Wenn Nähe unsicher erlebt wird, kann das sich auf die Psyche auswirken. Manche Menschen entwickeln Ängste, zum Beispiel Angst vor Zurückweisung, Angst vor Konflikten oder Angst, nicht zu genügen. Andere rutschen in Erschöpfung, anhaltende Niedergeschlagenheit oder das Gefühl, innerlich abgeschnitten zu sein.
Das heißt nicht automatisch „Angststörung“ oder „Depression“. Aber solche Begriffe tauchen manchmal auf, weil sich die Symptome so anfühlen: Rückzug, Grübeln, Schlafprobleme, innere Unruhe, fehlende Freude, Reizbarkeit, das Gefühl, nicht mehr richtig verbunden zu sein.
Wichtig ist: Es gibt meistens einen inneren Zusammenhang. Und es gibt einen Weg, wieder mehr Stabilität zu entwickeln.
Es geht nicht um ein Etikett
Manche Menschen suchen in diesem Zusammenhang nach Erklärungen und stoßen auf Begriffe wie Bindungsmuster oder Bindungsstörung. Das kann kurzfristig Orientierung geben.
Mir ist wichtiger, dass Sie verstehen, was Ihr System gelernt hat. Und was Sie heute brauchen, um sich sicherer zu fühlen. Ohne Schubladen. Ohne Bewertung. Ohne den Gedanken, dass mit Ihnen „etwas nicht stimmt“.
Wie Therapie dabei unterstützen kann
In der therapeutischen Arbeit geht es zunächst um einen stabilen Rahmen. Sie müssen nichts beweisen und nichts „richtig“ machen. Wir schauen gemeinsam, was Sie belastet, was Sie geprägt hat und was Ihnen im Alltag hilft, wieder mehr inneren Halt zu finden.
Je nach Anliegen kann das unterschiedliche Schwerpunkte haben. Manchmal ist es hilfreich, Dinge zu sortieren und innere Klarheit zu gewinnen. Manchmal steht Sicherheit im Vordergrund, wenn Belastendes innerlich weiterwirkt. Manchmal braucht es einen Zugang, der tiefer geht als reines Verstehen. Und manchmal ist der Körper der Schlüssel, um aus Anspannung und innerer Unruhe wieder herauszufinden.
Welche Form für Sie passend ist, klären wir gemeinsam.
Wenn Sie sich hier wiederfinden
Vielleicht war dieser Text nur ein kurzer Impuls. Vielleicht merken Sie aber auch, dass das Thema Sie schon länger begleitet.
Wenn Sie möchten, können wir in einem kostenfreien telefonischen Erstgespräch in Ruhe klären, worum es bei Ihnen geht und welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten. Sie müssen dafür nichts vorbereiten. Sie erzählen, was Sie erzählen möchten.
Auf der Seite „Termin buchen“ finden Sie den Kalender für das Erstgespräch.