Bindungsmuster im Erwachsenenalter
Manchmal wünscht man sich Nähe und merkt gleichzeitig, wie innerlich etwas eng wird.
Nicht, weil man nicht lieben kann, sondern weil ein Teil in einem sehr schnell auf Sicherheit schaltet.
Und dann passiert genau das, was man eigentlich nicht will: Rückzug, Ärger, Kontrolle, Überanpassung oder plötzliches „Dichtmachen“.
Wenn Sie das kennen, ist das kein Zeichen von Schwäche.
Es ist oft ein Zeichen von Erfahrung.
Wenn Bindung Stress macht, wirkt das im Alltag ganz konkret
Es gibt Menschen, die spüren Nähe zuerst als Wärme.
Und es gibt Menschen, die spüren Nähe zuerst als Unruhe.
Das kann sich so zeigen:
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Sie wünschen sich Verbundenheit, aber sobald es verbindlich wird, wird es innerlich hektisch.
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Sie passen sich stark an, um keinen Konflikt auszulösen, und merken später, dass Sie sich dabei verlieren.
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Sie ziehen sich zurück, obwohl Sie sich eigentlich nach Kontakt sehnen.
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Sie testen, ob der andere wirklich bleibt, manchmal offen, manchmal still.
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Sie halten Kontrolle für Sicherheit, weil Unklarheit sich kaum aushalten lässt.
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Sie fühlen sich schnell „zu viel“ oder „nicht genug“, auch wenn es dafür im Hier und Jetzt keinen echten Grund gibt.
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Das sind typische Bindungsbewegungen.
Und sie sagen vor allem eins: In Ihnen arbeitet ein Schutzsystem, das wachsam geworden ist.
Sie sind nicht falsch
Ein Gedanke ist mir an dieser Stelle wichtig: Der Mensch ist grundsätzlich gut.
Wenn Sie sich ständig hinterfragen, sich klein machen oder sich innerlich hart behandeln, ist das oft kein realistisches Urteil über Ihre Person.
Es ist ein erlernter Blick, der irgendwann helfen sollte, sich anzupassen, zu funktionieren, keinen Ärger zu machen, nicht aufzufallen oder niemanden zu verlieren.
Selbstinfragestellung wirkt dabei wie ein stiller Angriff nach innen.
Sie macht nicht sicherer, sondern enger.
Ich nutze dafür gern ein Bild: den Leuchtturm.
Ein Leuchtturm fragt nicht, ob er richtig ist. Er steht da, verlässlich, auch wenn Nebel aufzieht.
Viele Menschen mit bindungsbezogenem Stress tragen diesen Leuchtturm längst in sich, aber er wurde über Jahre von Nebel, Alarm und alten Erfahrungen verdeckt.
Therapie kann helfen, den Nebel zu lichten, damit wieder Orientierung möglich wird.
Ein kleiner Selbstcheck ohne Etikett
Vielleicht hilft Ihnen diese Frage: Erleben Sie das eher selten oder eher wiederkehrend?
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Ich werde unruhig, wenn jemand mir wirklich nahe kommt.
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Ich habe Angst, verlassen zu werden, auch wenn es objektiv keinen Anlass gibt.
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Ich schlucke viel herunter und merke erst später, wie wütend oder traurig ich bin.
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Ich übernehme schnell Verantwortung für die Stimmung anderer.
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Ich ziehe mich zurück und bereue es anschließend.
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Ich brauche viel Bestätigung, komme aber trotzdem nicht zur Ruhe.
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Ich habe das Gefühl, in Beziehungen meine Grenzen nicht klar zu spüren.
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Wenn zwei, drei Punkte passen, ist das bereits genug, um gemeinsam hinzuschauen.
Nicht, um Sie einzuordnen, sondern um Sie zu entlasten und neue Möglichkeiten zu öffnen.
Woher das kommt, in einfachen Worten
Bindungsmuster entstehen nicht, weil jemand „so ist“.
Sie entstehen, weil der Mensch sich an sein Umfeld anpasst.
Wenn Nähe früher unsicher war, unberechenbar, überfordernd oder nicht wirklich verfügbar, dann lernt das Nervensystem: Nähe ist riskant.
Und selbst wenn heute ein guter Mensch vor Ihnen steht, reagiert das alte System manchmal schneller als der Verstand.
Das ist verständlich.
Und es ist veränderbar.
Wie Veränderung möglich wird
Viele Menschen glauben, man müsste nur „anders denken“.
Aber Bindungsstress sitzt oft tiefer, im Körper, in der Art, wie man sich reguliert, wie man sich beruhigt, wie man Nähe dosiert.
Deshalb beginnt Veränderung nicht mit Druck, sondern mit Sicherheit.
In der Arbeit geht es oft in drei Schritten:
- Stabilität und innere Beruhigung, damit Ihr System wieder Spielraum bekommt.
- Verstehen, welche Muster wann anspringen und was sie schützen wollen.
- Neue Erfahrungen im Kontakt, in Grenzen, in Nähe und in Selbstwert.
Das Entscheidende ist das Tempo.
Nicht alles auf einmal. Nicht gegen sich selbst. Sondern so, dass es sich tragfähig anfühlt.
So arbeite ich in meiner Praxis damit
Ich arbeite in meiner Privatpraxis in Dieburg bei Darmstadt als Heilpraktiker für Psychotherapie.
Im Mittelpunkt steht nicht eine Diagnose, sondern Ihr Erleben und das, was Sie brauchen, um wieder sicherer in sich zu werden.
Ein zentraler Baustein meiner Arbeit ist die Ressourcen-State-Therapie.
Sie hilft, innere Zustände zu stabilisieren, sich wieder zu sammeln und in Kontakt mit den eigenen Ressourcen zu kommen, gerade dann, wenn das innere System schnell in Alarm gerät.
Je nach Thema und Passung können auch körperorientierte Elemente und hypnotherapeutische Vorgehensweisen hinzukommen, immer behutsam, immer in Ihrem Tempo.
Ziel ist nicht, dass Sie „funktionieren“.
Ziel ist, dass Sie sich wieder spüren, Grenzen klarer setzen können, Nähe dosieren können und sich innerlich weniger ausgeliefert fühlen.
Der erste Schritt
Wenn Sie möchten, beginnen wir mit einem kostenfreien telefonischen Erstgespräch.
Dort sortieren wir Ihr Anliegen, klären die Fragen, und schauen, ob die Zusammenarbeit für Sie stimmig ist.
Psychotherapie ist in meiner Praxis eine Selbstzahlerleistung.
Regelmäßige Termine in Präsenz sind in der Regel um 14 Uhr, 16 Uhr und 18 Uhr möglich.
Kostenfreie telefonische Erstgespräche können jederzeit online gebucht werden.
Nach einer ersten Sitzung in Präsenz kann, wenn es fachlich und praktisch passt, auch eine Online-Sitzung per Zoom möglich sein, mit Ihrem Einverständnis.